Die Bahnhofswirtschaft in Burgrieden (heute Holzwurm)
Die ehemalige Bahnhofswirtschaft gehört zu den ortsbildprägenden Gebäuden Burgriedens, deren Geschichte eng mit der Entwicklung des Ortes im frühen 20. Jahrhundert verbunden ist. Vielen Burgriedern ist das Gebäude heute vor allem unter seinem späteren Namen „Holzwurm“ bekannt.
Im Zuge der Aufarbeitung und Digitalisierung historischer Unterlagen durch den Historischen Verein Burgrieden konnten neue Erkenntnisse zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudes gewonnen werden. Dabei zeigte sich auch eine bislang wenig beachtete Verbindung zur Firma Steiger.
Von Johannes Weinbuch zu Walther Steiger
Die Bahnhofswirtschaft wurde 1905 als Wirtschaftsgebäude für Johannes Weinbuch errichtet. Weinbuch war auch Bauherr der Mühle an der Rot, die 1906 von Steiger erworben wurde.
Im Jahr 1913 ging die Bahnhofswirtschaft durch einen Tauschvertrag in den Besitz von Walther Steiger über. Der im Original erhaltene Vertrag nennt ausdrücklich das betreffende Flurstück 341.
Damit gehörte die Bahnhofswirtschaft bereits mehrere Jahre vor der Aufnahme der Automobilproduktion zum Besitz Walther Steigers.
Kegelbahn und „Steiger-Saal“
Weitere erhaltene Bauunterlagen zeigen, dass die Firma Walther Steiger & Cie. die Bahnhofswirtschaft in den folgenden Jahren ausbauen ließ.
Aus den Jahren 1916/1917 stammt ein Bauantrag zur Errichtung einer Kegelbahn und zur Erweiterung der bestehenden Abortanlage.
1918 beantragte das Unternehmen die Errichtung eines Speisesaals mit einer Schlächtereianlage auf der Parzelle 341/1. Dieser Speisesaal wurde später als „Steiger-Saal“ bezeichnet. Ein historisches Foto zeigt den heute nicht mehr vorhandenen Gebäudeteil.
Welche Funktion die Bahnhofswirtschaft und insbesondere der Saal für das Unternehmen Steiger, seine Beschäftigten und das gesellschaftliche Leben in Burgrieden hatten, ist Gegenstand weiterer Recherchen.
Die Bahnhofswirtschaft nach Steiger
Noch 1935 gehörte die Bahnhofswirtschaft zum Vermögen der Firma Steiger. In der erhaltenen Ankündigung zur Zwangsversteigerung wird sie ausdrücklich als „Wohn- und Wirtschaftsgebäude – die Bahnhofswirtschaft – samt Hintergebäude, Schlächtereianlage und Hofraum beim Bahnhof“ aufgeführt.
Wie sich die Eigentumsverhältnisse unmittelbar nach der Zwangsversteigerung entwickelten, konnte bislang noch nicht abschließend geklärt werden. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Bahnhofswirtschaft von verschiedenen Eigentümern und Wirtsleuten weitergeführt.
Eine wesentliche bauliche Veränderung erfolgte 1965: Der 1918 errichtete Steiger-Saal wurde abgebrochen und an seiner Stelle ein Metzgerladen eingerichtet.
Nach einem Eigentümerwechsel im Jahr 1989 wurde das Gebäude renoviert und die Gaststätte erhielt den Namen „Holzwurm“. Der frühere Metzgerladen wurde 1991 zum Nebenzimmer der Gaststätte umgebaut.
2000 wechselte der Betrieb erneut und wurde unter dem Namen „Holzwurm“ weitergeführt.
2016 erwarb die Gemeinde Burgrieden das Gebäude. 2019 erfolgte eine aufwendige Sanierung der Fundamente, 2020 wurde das Nebenzimmer um eine Terrasse ergänzt.
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt
Die bisher ausgewerteten Bauunterlagen, Verträge und weiteren historischen Quellen ermöglichen es, wesentliche Stationen der Geschichte der Bahnhofswirtschaft zu rekonstruieren. Viele Fragen zum alltäglichen Leben in der Gaststätte, zum Steiger-Saal und zur Kegelbahn sind jedoch noch offen.
Der Historische Verein Burgrieden möchte deshalb in einem nächsten Schritt auch Fotos, persönliche Erinnerungen und weitere private Unterlagen zusammentragen.
Wer alte Aufnahmen der Bahnhofswirtschaft, des Steiger-Saals oder der Kegelbahn besitzt oder sich an frühere Wirtsleute, Veranstaltungen und Begebenheiten rund um die Bahnhofswirtschaft erinnert, darf sich gerne an den Historischen Verein Burgrieden wenden.
Dieser Beitrag gibt den derzeitigen Stand unserer Recherchen wieder und wird ergänzt, sobald weitere gesicherte Erkenntnisse vorliegen.

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